Holocaust-Überlebender Ladany: Gehen, um zu erinnern

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Er hat den Holocaust überlebt, ist bei Olympia 1972 nur knapp dem Tod entkommen – und geht bis heute voran, um zu erinnern: Shaul Ladany. Jeden Tag denke er an seine ermordeten Verwandten, erzählt der 85-Jährige im Gespräch mit tagesschau.de.

Gehen, um zu erinnernStand: 27.01.2022 06:03 UhrEr hat den Holocaust überlebt, ist bei Olympia 1972 nur knapp dem Tod entkommen – und geht bis heute voran, um zu erinnern: Shaul Ladany. Jeden Tag denke er an seine ermordeten Verwandten, erzählt der 85-Jährige im Gespräch mit

tagesschau.de.Von Patrick Gensing, tagesschau.deDie Stadt Novara im Norden Italiens am vergangenen Sonntag: Hunderte Läuferinnen und Geher stehen im Startbereich des”Run for Memory”, einem Gedenklauf für die Opfer des Holocaust, organisiert von jüdischen Gemeinden und Organisationen des Landes. An ihrer Spitze macht sich Shaul Ladany für die Strecke bereit. Der 85-jährige Holocaust-Überlebende lässt sich auch von der Corona-Pandemie nicht davon abhalten, der Einladung nach Italien zu folgen.

“Für viele Menschen hat der Holocaust keine Bedeutung. Einigen kommt der Holocaust vielleicht einmal im Jahr am Internationalen Gedenktag in den Sinn. Ich lebe täglich mit der Erinnerung”, sagt der Israeli im Gespräch mittagesschau.de headtopics.com

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.”Großeltern zu Seife verarbeitet”Das Licht der Welt erblickt Ladany 1936 in Belgrad. Nach dem deutschen Überfall auf Jugoslawien 1941 fliehen seine Eltern mit Shaul und zwei Geschwistern nach Ungarn. Drei Jahre später deportieren Nazi-Schergen die Juden aus Ungarn in die deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager. Seine Großeltern ermorden die Nazis in Auschwitz, verarbeiten sie zu Seife, wie Ladany es schonungslos benennt. Auch viele andere Verwandte und Freunde werden getötet.

27.1.2020 · 20:06 UhrGemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern wird Ladany in das KZ Bergen-Belsen verschleppt. Stundenlang hätten die Gefangenen stehen müssen, bei Regen und Kälte. Zählappelle überstehen, immer wieder. Die deutschen Soldaten hätten sich ständig verrechnet. Doch Ladany hält durch. Er überlebt. Seine Familie gehört zu den Häftlingen, die durch Verhandlungen ungarischer und schweizerischer jüdischer Organisationen mit der SS gerettet werden.

Im Jahr 1944 kann die Familie tatsächlich ausreisen, rettet sich in die Schweiz. Nach Kriegsende kehren sie nach Jugoslawien zurück – um dann in das neu gegründete Israel auszuwandern. Hier wird Ladany zu einem erfolgreichen Wissenschaftler und Sportler.

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“Erinnere mich täglich an meine Großeltern””Meine Schwester Martha, mit der ich täglich am Telefon spreche, ist meine Adoptivschwester”, erzählt Ladany.”Sie wurde zu uns gebracht, als sie sechs Monate alt war, nachdem ihre Familie mit 2000 anderen Juden im Januar 1942 massakriert wurden. Ja, ich erinnere mich täglich an meine Großeltern mütterlicherseits und zwei Cousins, die in Auschwitz vergast wurden, sowie an die meisten der 28 Familienmitglieder, die während des Holocausts umkamen.” headtopics.com

Einige der Möbel in seinem Haus gehörten den ermordeten Verwandten, und er betone diese Tatsache gegenüber Besuchern.”In meinem Arbeitszimmer stehe ich täglich vor dem Gemälde, das unsere Baracken und die Zäune um uns herum mit dem Wachturm zeigt, das ein Maler meinem verstorbenen Vater geschenkt und gewidmet hat, mit der Aufschrift ‘Bergen-Belsen darf man nicht vergessen'”, erzählt Ladany. Auf dem Grabstein seiner verstorbenen Frau stehe die Inschrift”Überlebende der Progromnacht”, da sie dieses Trauma, als sie viereinhalb Jahre alt war, nie habe vergessen können, sagt Ladany.

4.8.2012 · 23:46 UhrKundgebung von Holocaust-LeugnernDer”Run for Mem” in Italien sollte bereits im Jahr 2021 in Florenz stattfinden, musste wegen der Pandemie abgesagt werden.”Zur gleichen Zeit fand in Novara, der Stadt der ersten jüdischen Siedlung in Italien, eine Kundgebung von Holocaust-Leugnern statt”, erzählt Ladany. Daher finde der Lauf nun hier statt. Für ihn sei es eine Freude, daran teilzunehmen – trotz der Mühen der Reise und des Risikos durch Corona insbesondere für ältere Menschen.

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In seinem Buch”King of the Road: From Bergen-Belsen to the Olympic Games” erzählt Ladany seine Lebensgeschichte – und dazu gehören nicht nur die schrecklichen Erlebnisse, sondern auch der Sport: Ladany war beim ersten Marathon Israels dabei und holte Landes- sowie Weltrekorde im Gehen. Bis heute tritt er bei Wettkämpfen an, unter anderem beim Marathon von Tel Aviv, wo er mitten in der Nacht startet, und 2020 als Geher am späten Vormittag mit den Vier-Stunden-Läufern ins Ziel kam.

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